Sakramente: Zeichen Gottes

1. Was sind Zeichen?

Zeichen sind Bedeutungsträger einer verbalen (Buchstaben) oder non-verbalen Kommunikationsform (Gesten), mit denen wir uns verständigen (z. B. Schriftzeichen, Handzeichen, Verkehrszeichen). Manchmal deuten Zeichen auch auf etwas hin, das real existiert, sie stehen für etwas (z. B. das Kreuz, das auf das Christentum und die Kirche verweist). Dann nennt man diese Zeichen auch Symbole (vom griech. sym-bolein: „zusammen-werfen“).

Zeichen gibt es auch in der katholischen Liturgie. Eine ganze Menge sogar. Das beginnt mit dem Kreuzzeichen, mit dem wir eine Messe oder überhaupt einen Gottesdienst beginnen. Innerhalb der Messfeier gibt es zahlreiche andere Zeichen, die manchmal unausgesprochen vollzogen werden, manchmal wird aber auch explizit darauf hingewiesen, dass nun ein Zeichen kommt. „Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung!“ Dann folgt meistens ein Händedruck oder auch eine Umarmung oder ein Kuss oder in Asien, wo man es nicht so mit Körperkontakt hat, folgt eine Verneigung.

Zeichen verweisen uns darauf, dass die Zeichenhandlung mal eine ganz konkrete Handlung war. Viele unserer Zeichen haben ihren Ursprung im Mittelalter. Wenn Menschen früher zeigen wollten, dass sie in friedlicher Absicht erschienen sind, hielten sie die rechte Hand auf und streckten sie dem Anderen entgegen, um ihm zu zeigen, dass sie ohne Waffe gekommen sind. Daraus entstand unser Händedruck, der sich als Geste der Begrüßung eingebürgert hat und auch beim Friedensgruß in der Messfeier als Zeichenhandlung eine Rolle spielt.

2. Was sind Sakramente?

Besondere Zeichenhandlungen, die in dieser Weise an reale Ereignisse in der Heilgeschichte, im Leben Jesu erinnern sollen, gibt es auch in der Kirche. Diese nennt man Sakramente. Sakramente sind heilige Zeichenhandlungen. Es gibt sieben Sakramente: die Taufe, die Eucharistie, die Beichte, die Firmung, die Ehe, die Priesterweihe und die Krankensalbung, sieben Zeichen Gottes. Sakramente sind also Zeichen der Liebe und Gegenwart Gottes. Gott kommt uns ganz nah in diesen Zeichen.

Sakramente sind Geschenke Gottes, die die Kirche sorgsam verwalten muss. Sie muss also darauf achten, dass nur derjenige oder diejenige in den Genuss dieser Geschenke kommt, der sich in einer gewissen Weise ihrer würdig erweist, indem er oder sie darauf vorbereitet ist.

Sakramente entfalten eine dreifache Heilsdimension, nämlich eine vergangenheitsbezogene, eine gegenwartsbezogene und eine zukunftsbezogene. Die Kirche erinnert durch die Sakramente an deren Einsetzung (Vergangenheit), sie tut es hier und jetzt (Gegenwart) und sie tut es, damit sich der Empfänger des Sakraments künftig vom Sakrament gestärkt weiß, die Nähe Gottes spürt und auch selbst sich bemüht, Gott nahe zu bleiben (Zukunft).

Drei Beispiele:
1.) Taufe. Die Erinnerung an die Taufe Jesu im Jordan wird im aktuellen Vollzug der Taufe mit Wirkung für die Zukunft lebendig.
2.) Eucharistie. Die Erinnerung an das Letzte Abendmahl wird im Vollzug der Messfeier mit Wirkung für die Zukunft aktualisiert. Das ist eine lebendige Erinnerung.
3.) Firmung. Bei der Firmung geht es um die Erinnerung an das Pfingstereignis und an die Stärkung durch den Heiligen Geist für die Zukunft des Firmlings in der Kirche. Letztlich geht es dabei immer um die Stärkung auf dem Weg in die Vollendung, wo wir dann keine Zeichen der Nähe Gottes mehr brauchen, weil wir Gott selbst nahe sind.

Es geht also bei den Zeichen Gottes, den Sakramenten, darum, etwas in uns wach zu rufen. Das sind nicht nur Informationen, die von Gott über die Kirche an den Gläubigen herangetragen werden, sondern es sind Handlungen, die den Gläubigen die Nähe Gottes erkennen und spüren lassen. Das ist ein Unterschied. Wenn man geküsst wird, dann hat das sicher auch einen Informationsgehalt. „Ach, so. Du liebst mich also. Und der Kuss zeigt mir, dass es so ist. Gut.“ Dabei bleibt es aber nicht stehen. Der Kuss ist mehr als eine Bewegung mit den Lippen. Es verweist uns als Zeichenhandlung auf die tiefe Realität der Liebe. Der Kuss ruft im anderen Menschen Gefühle der Liebe wach. Den oder die Andere erreicht die Liebe über das Zeichen des Kusses. Sie kommt bei ihm oder ihr wirklich an. Viel stärker jedenfalls als wenn ich etwa „nur“ sagen würde: „Ich liebe Dich.“

Gott ist für uns eine unsichtbare Wirklichkeit, die uns in sichtbaren Zeichen begegnet. Das Sakrament der Liebe Gottes schlechthin, das Ur-Sakrament gewissermaßen ist Jesus Christus. Gott hat niemand jemals gesehen (Joh 1, 18), doch er offenbart sich uns in seinem Sohn Jesus Christus, das ultimative Zeichen der Liebe Gottes.

3. Die „Zeichensprache Jesu“ und der Blick auf das Sakrament der Firmung

Das Zeichen Gottes, Jesus, benutzt seinerseits Zeichen. Besonders dann, wenn er Kranke heilt, Schwache stärkt und Ausgestoßene wieder in die Gemeinschaft zurückführt, dann passiert das häufig vermittels einer Berührung (vgl. Mt 8, 14-15; Mt 9, 27-31; Mk 1, 40-45).

Auch beim Sakrament der Firmung spielt die Berührung eine Rolle. Das Handauflegen, die Salbung mit dem Chrisam und die Besiegelung mit dem Kreuzzeichen sind besondere Berührungen, die uns als Zeichenhandlungen die Nähe Gottes spüren lassen.

Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen:
1.) Firmung soll an Jesu Leben erinnern, Gottes Liebe vergegenwärtigen, Mut machen für das künftige Glaubensleben. Wichtig ist dabei (als „Fortschritt“ zur Taufe) die Eigenständigkeit: Die Familie und die Gemeinde ist zwar Orte des Glaubenslebens, aber der persönliche Glaube ist entscheidend. Daher wird vor der Firmung auch noch einmal von jedem Einzelnen ein Bekenntnis zum Glauben an Gott, an Jesus Christus, an den Heiligen Geist und an die Kirche verlangt.
2.) Der Heilige Geist, der auf den Firmling herabkommt, wird spürbar durch Zeichen und Gesten, durch die der Bischof dem Firmling die Nähe Gottes vermittelt, für die man sich aber zunächst selbst öffnen muss.
3.) Derart im Glauben bestärkt, können sich die Gefirmten von ihrem Vorbild, dessen Namen sie angenommen haben, leiten lassen und der Kirche dienen bzw. in und mit ihr den Menschen.

Euer Josef

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